• Proversa - "Oder umgekehrt". Wilhelm Raabes (Literatur-)Satire "Deutscher Mondschein" (1872/1873) als Programmschrift der Prosa

    Author(s):
    Corinna Sauter (see profile)
    Date:
    2019
    Group(s):
    LLC 18th- and Early-19th-Century German, LLC 19th- and Early-20th-Century German
    Subject(s):
    Prose literature, Realism, Satire, Intertextuality
    Item Type:
    Article
    Tag(s):
    Anagrammatics, Raabe, Selfreferentiality
    Permanent URL:
    https://doi.org/10.17613/wx77-bt85
    Abstract:
    Raabe schreibt eine Prosa, die er an der Verdichtung der Versdichtung bemisst und die sich die Umwendung zum Modell nimmt. Ein Text, der diesen Umstand im Zeichen der Korrektur 'dürftiger Prose' inszeniert und den ich daher eine Programmschrift der Prosa nenne, liegt mit "Deutscher Mondschein" vor. Auf der Textbühne der Satire werden nicht nur der Konflikt zwischen Poesie und Prosa, sondern auch die Positionen des programmatischen Realismus zum Poesie-Prosa-Konflikt reinszeniert. Die Satire, in der die Umwendung nicht nur auf allen Textebenen vollzogen, sondern auch als Sinnfigur der Prosa inszeniert wird, 'hat' Theorie. Um dies zu zeigen, wird Raabes Prosa-Begriff erkundet und die Umwendung - unter Rückgriff auf eine Notiz des Autors - als Prosa-Figur diskutiert, und zwar mit Blick auf markierte Latenz. Ausgehend davon wird Raabes 'Poetik' der Prosa rekonstruiert: Die Lektüre führt von der Formatvorlage des (satirischen) Spaziergangs über die Rekonstruktion der immanenten Poetik anhand des Poesie-Prosa-Konflikts hin zu den im Zeichen der Verdichtung eingesetzten Verfahren, die die Umwendung auf der Ebene der Rhetorik, der kryptischen Metrik sowie der Anagrammatik vollziehen. Der Spur der Verborgenheit und Verbergung folgend wird der Text, in dem das Mimesis-Postulat durch fixe Ideen aufs Korn genommen und die Funktion Autorschaft auf die Textbühne zitiert wird, als Literatursatire lesbar: als eine mit 'Jean Paul' zur literaturpolitischen Positionierung antretende 'Kontroversschrift', die eine Kritik des Publikumsgeschmacks, des 'Grenzboten'-Realismus und der 'prosaischen' Prosa bietet. Überdies wird 'Jean Paul' als 'exemplar' erhellt, vor dessen Folie die Erzählung die Geste der Selbst- und Originalitätsbehauptung der 'eigentümlichen' Prosa vollzieht. Die Satire wird so als 'Gegengesang' und 'Extrabuch' der Raabeschen Prosa neu lesbar.
    Metadata:
    Published as:
    Journal article    
    Status:
    Published
    Last Updated:
    5 months ago
    License:
    All Rights Reserved
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